8. Juni 2025

Wenn junge Tierärzte bzw. Tierärztinnen, wie hier, Symptome wie Hufkrebs-Exsudat nicht mehr erkennen, weil sie es in ihrer heutigen Ausbildung nie gesehen haben, ist das sehr traurig und lässt tief blicken.

Wenn sie Besitzern gegenüber aber sogar steif und fest behaupten, ein derartiges übelriechender Ausfluss könne „100%ig absolut nichts mit Hufkrebs zu tun haben“, wird es langsam beängstigend mit unserer „Pferdemedizin“.

In diesem Fall sogar ganz besonders, da zusätzlich Röntgenbilder vorliegen, auf denen die Flüssigkeitsansammlungen und Gewebeveränderungen im Huf deutlich sichtbar sind.

Auch hier macht sich wieder einmal das Vorurteil bemerkbar, dass Hufkrebs bzw. digitale Dermatitis immer und zwangsläufig mit einer äußerlich sichtbaren Gewebezunahme verbunden sein muss, während die Infektion hier unter der Wand und Sohle sitzt. Durch den entsprechenden Druck ist hier die laterale Strahlfurche aufgeplatzt, sodass das Exsudat nach außen tritt.

Exsudat bildet sich nach unseren Erkenntnissen vorrangig durch die Aktivität verschiedener Treponemen-Arten, die sich in die Lederhaut eingraben, sich von dieser ernähren und dabei Enzyme und auch Toxine ausschütten. Den dabei entstehenden üblen Geruch führen wir auf im Exsudat enthaltene Fettanteile zurück.

Aufgrund der starken Zunahme solcher Infektionen können wir Pferdebesitzern nur dringend raten, wachsam und vor allem kritisch zu bleiben. Anfangsstadien werden sehr oft nicht erkannt und Prophylaxe hilft.